Reflexionen über das Leben

anlässlich meines zweiten Todestags, der 2026 auf den Ostermontag fiel

 

Schon wieder ein irdisches Jahr vorüber, für mich praktisch wie gestern. Da es bei uns keine Zeit gibt, habe ich Mühe mir vorzustellen wie sich ein Jahr auf Erden anfühlt, obwohl ich doch vierzig Jahre erleben durfte. Ich lebe dann in der Erinnerung und schaue mir an, was so im vergangenen Jahr bei meinen Eltern passiert ist und versuche mir vorzustellen, was diese Ereignisse zeitlich bedeuten und wie sie sich anfühlen. Da ich aber schon zu Lebzeiten ein sehr schlechtes Zeitgefühl hatte, schwupps war eine Stunde rum, wenn ich beschäftigt war und andererseits dehnten sich zwei Stunden bis Mama wieder zu mir kam wie Kaugummi, fällt es mir auch heute schwer mich in Mama reinzuversetzen und mit ihr die Länge von einem Jahr zu erfühlen.

Jetzt bin ich also schon zwei Jahre in der geistigen Welt und ich habe es nicht bereut, dass mein, einst so schönes irdisches Leben zu Ende gegangen ist, da die letzte Zeit mehr als eine Qual war.

Was ich aber immer wieder mache, ist, über mein Leben nachzudenken und wie ich es hätte vielleicht anders nutzen können. Dabei will ich nicht sagen, dass ich meine irdische Zeit nicht nach Kräften ausgenutzt habe, vor allem, als ich noch gesund war. Aber war alles immer sinnvoll?

Ich habe mich viel um materielle Dinge gekümmert bedingt durch meinen Forscherdrang und meinen Perfektionismus. Aber war das alles wirklich immer wichtig? Klar, für mich damals auf jeden Fall, sonst hätte ich es ja nicht gemacht. Aber aus höherer Sicht? Ich glaube, ich habe da wie die meisten Erdenbürger so manchmal die falschen Prioritäten gesetzt.

Wie viel Zeit habe ich mit Konsum verbracht, Dinge erstanden die mir heute größtenteils unwichtig sind, aber das, was in Erinnerung bleibt, die Zeit, die man mit der Familie oder Freunden verbracht hat, kam oft zu kurz. Aber genau diese glücklichen Momente sind das, was zählt, wenn man die Dimensionen wechselt. An die erinnert man sich in der geistigen Welt und an die erinnern sich auch die Hinterbliebenen. Wie wichtig ist es, Gespräche zu führen, Gefühle auszutauschen, Zeit miteinander zu verbringen und zusammen zu wachsen. Und obwohl Mama und ich viel geredet haben, eigentlich über fast alles, denken wir beide, wir hätten noch viel mehr Zeit miteinander verbringen müssen, denn das ist das, was heute zurückbleibt. Warum haben wir nicht noch mehr Zeit miteinander verbracht, vor allem zu Zeiten als es mir noch gut ging. Das klingt abgedroschen, aber das ist ein ganz wichtiger Aspekt im gemeinsamen Leben. Je mehr gemeinsame Zeit man miteinander verbringt, desto weniger Schuldgefühle hat man dem anderen gegenüber, je weniger Vorwürfe macht man sich, die Zeit nicht sinnvoll genutzt zu haben.

 

 

Dann gibt es auch noch die Zeit der Selbstreflexion, die Zeit, die man sich nimmt, um zu sich selber zu finden. Bedingt durch meine lange Krankheitszeit, in der ich oft tagelang zum Nichtstun verdonnert war, hatte ich oft die Möglichkeit über mich selber nachzudenken, was mich ausmacht, wer ich bin und wer ich sein möchte. Das waren oft schwere „Selbstgespräche“, die ich krankheitsbedingt des öfteren abbrechen musste, weil die Energie einfach nicht mehr ausgereicht hat. Aber hätte ich das gemacht, wäre ich noch aktiv mitten im Leben gestanden? Ich glaube nicht. Auf diese Idee wäre ich nie im Leben gekommen, so dass ich sagen kann, dass meine Krankheit auch etwas Gutes hatte, etwas, was mir erst jetzt so langsam bewusst wird.

Aber wie viele reflektieren sich selbst? Das sind wenige. Womit verbringen viele ihre Zeit? Sie streiten sich um Nichtigkeiten, um Dinge, die nicht erwähnenswert sind. Aber man will sein Ego zum Ausdruck bringen und keinen Millimeter von der eigenen Position abgehen, „man könnte ja sein Gesicht verlieren“. So ein Quatsch! Der Empathielose, der Ignorant, der Besserwisser, der Dogmatiker, usw. verliert sein Gesicht, verliert vielleicht Menschen die ihm einmal nahe standen. Und mit solch unnötigem Geplänkel vertuen viele ihre Zeit, statt sie sinnvoll einzusetzen. Und wenn sie sie mit niemandem teilen möchten, dann wäre es gut, wenn sie über sich, über ihr Leben, über das, was ihnen wirklich wichtig ist und was das irdische Leben überdauert, reflektieren würden, wenn sie beginnen würden, ihr Bewusstsein ein bisschen zu erweitern.

 

Glücklicherweise hatte ich diese Probleme äußert selten, weil Mama und ich uns nur sehr selten stritten, meist waren es oberflächliche Auseinandersetzungen, die getragen von gegenseitiger Liebe nur wenige Minuten andauerten. Und mit Fremden habe ich mich auch nur äußerst selten in die Wolle bekommen, warum, ich weiß es nicht, die meisten haben sich erst gar nicht mit mir angelegt, worüber ich äußerst froh bin, denn dafür wäre mir meine Zeit einfach zu schade gewesen.

Und dann gibt es noch einen ganz wesentlichen Punkt, einen Punkt, der mir zu meinen Lebzeiten als ganz normal vorkam, von dem ich aber inzwischen weiß, dass er nicht selbstverständlich ist: die gegenseitige bedingungslose Liebe. Und da bin ich so froh, dass uns die mein ganzes Leben getragen hat. Vieles wäre seit meinem Heimgang gar nicht möglich, wenn unsere Beziehung nicht auf dem starken Fundament der unzerbrechlichen Liebe basieren würde.

Aber wie viele zerstreiten sich, beneiden sich, hassen sich und trennen sich irgendwann und nehmen diese Hypothek mit in die geistige Welt. Da nagen dann die Gewissensbisse, die Vorwürfe, was man alles falsch gemacht hat. Aber da viele keine Kommunikationsmöglichkeiten mit ihren Hinterbliebenen haben, bleiben diese „Schulden“ bestehen im Diesseits wie im Jenseits und die sind sehr belastend wie ich es von so manch einer Seele mitbekomme.

Deshalb mein Appell an alle Diesseitigen: hütet eure Zunge, überlegt euch, ob der Streit, das Zerwürfnis wirklich notwendig und sinnvoll ist oder ob man nicht mit mehr Entgegenkommen, Ehrlichkeit und gutem Willen dem friedlichen Miteinander nicht ein Stück näher kommt und ob nicht durch die gegenseitige Liebe und das Verständnis für einander mehr Harmonie Einzug halten könnte. Wie schön könnte es auf der Erde sein, wenn mehr Loyalität, Frieden und Liebe unter den Menschen herrschen würde. Und das hat nichts mit Schwäche zu tun wie der eine oder die andere vielleicht denkt, sondern ganz im Gegenteil, das ist Reife, Größe, Stärke! Das verwechseln viele.

Ich würde mir wünschen, dass der eine oder die andere, die diesen Text liest, in sich geht und ein bisschen Selbstreflexion betreibt und somit das zwischenmenschliche Leben ein winziges Bisschen besser macht. So nach dem Motto „steter Tropfen höhlt den Stein“, denn es gibt Wichtigeres als ein großes Haus, ein Motorboot, ein teures Auto, eine leitende Position in einer Weltfirma. Und wenn man das erst in der geistigen Welt erkennt, ist es für viele vielleicht ein bisschen spät, denn die Zeit kann man nicht mehr zurückdrehen.

 

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