Bologneser Träne, je  nach Blickwinkel und  Beleuchtung

Wohin schlägt das Pendel aus?

      Bologneser Träne, je nach Blick-
      winkel und Beleuchtung

 

 

Täglich sehe ich deine Trauer und höre die vielen Fragen zu meinem Heimgang. Mit den Antworten „Du konntest es nicht verhindern“, „Du hast alles Menschenmögliche getan“ lässt du dich ja nicht zufriedenstellen. Deshalb habe ich mir überlegt einmal die Für und Wider für meinen Heimgang aufzuschreiben, in der Hoffnung, dass du dann von den Vorteilen überzeugt bist. 

 

Was spricht gegen meinen Heimgang?

Jetzt zu sagen, das steht in unserem Seelenplan, das haben wir so abgesprochen, ist müßig, weil eigentlich weißt du es ja, aber trotzdem überzeugen dich diese Argumente nicht. Also was spricht sonst noch dagegen?

Ich wäre noch bei dir, zu Hause, ich könnte dich in Kleinigkeiten unterstützen, wir könnten gemeinsam lachen und reden, in den PC schauen, meine Pflänzchen beim Wachsen beobachten, und so weiter. Ich könnte, wenn ich einen super tollen Tag und viele Medikamente geschluckt hätte, ein bisschen am PC sitzen, um mich über Neuigkeiten in meinen Fachgebieten zu informieren, ein oder zwei Seiten in einem Fachbuch lesen oder vielleicht ein bisschen etwas in meinem Labor ausprobieren. Ich könnte vielleicht zum Arzt gehen, aber dann ist es schon alles. 

Was spricht für meinen Heimgang?

Die allermeiste Zeit würde ich im Bett liegen und sehnsuchtsvoll an all die Dinge denken, die ich gerne gemacht hätte, die aber meine Krankheit nicht zugelassen hat. Ich hätte ständig deine Unterstützung gebraucht, egal in welcher Hinsicht, denn die allermeiste Zeit war ich zum Schluss auf deine Hilfe angewiesen. Ich hätte ständig Angst gehabt, dass dir etwas passieren könnte, da ich dann ganz hilflos und alleine dagestanden wäre. Ich hätte laufend zu irgendeinem Arzt gemusst, weil ständig neue Krankheitssymptome aufgetaucht sind und das war für uns beide immer eine große Herausforderung. Du hättest dich laufend um mich kümmern müssen, um mich sorgen müssen, du könntest das Haus nur im äußerst dringenden Fall verlassen, weil du mich nicht alleine lassen wolltest und könntest. Du hättest ständig Sorgen um mich. Du hättest weiter gelitten wegen mir, oft mehr als ich selber. Kurzum, unser Leben wäre stark eingeschränkt.
Ich weiß, dass du alles auf dich nehmen würdest, Hauptsache ich wäre noch da. Doch du bist auch kein Übermensch und was wäre gewesen, wenn dich die Kraft verlassen hätte und du dich nicht mehr hättest um mich kümmern können oder noch schlimmer, wenn du vor mir in die geistige Welt gegangen wärst?

 

Und jetzt wiege mal die Argumente gegeneinander auf. Bedenke dabei, du darfst mich nicht zu der Zeit sehen, als ich gesund und voller Tatendrang war, sondern du musst die letzte Zeit sehen, als ich schwer krank und bettlägrig war. Und jetzt entscheide: war das, was ich zuletzt geführt habe, ein lebenswertes Leben für einen jungen Mann? Ganz bestimmt nicht. Mein ganzes Leben, so lange ich denken kann, wolltest du nur das Beste für mich. Und war in meiner Situation mein Heimgang nicht das Beste für uns beide? Jetzt bin ich frei, unbelastet und kann im Rahmen der mir in der geistigen Welt zur Verfügung stehenden Mittel alles machen, was ich will. Du glaubst gar nicht wie befreiend das ist nach den vielen Jahren der Isolation und Passivität. Das allein sollte dir Trost genug sein. Und auch du kannst wieder unbeschwert das Haus verlassen und musst nicht immer und überall erreichbar sein. Ich bin heute mehr denn je bei dir, um dich herum, wenn du das möchtest, und kann dich begleiten und beraten.

 

Und das sollten sich auch die vielen trauernden Hinterbliebenen vor Augen halten. Wir Vorausgegangenen haben keine gesundheitlichen Probleme mehr, uns ist viel erspart geblieben, was uns auf Grund unseres Gesundheitszustandes noch bevorgestanden wäre, denn jeder, der die Seiten wechselt, hat ein gesundheitliches Handicap. Auch das Unfallopfer, das sonst vielleicht zeitlebens schwerst behindert gewesen wäre, all diese Seelen hätten sich, wären sie nicht in die geistige Welt gewechselt, in eine Abhängigkeit gebracht, die kein Mensch erleben möchte und dennoch gibt es die Schwerstkranken, denen dieses Leid nicht erspart bleibt. Ihr Hinterbliebenen seht nur, dass wir euch fehlen, aber ihr blendet komplett aus, was diese Abhängigkeit, in die wir Vorausgegangenen uns begeben hätten, hätten wir wir nicht in die geistige Welt gedurft, für uns bedeutet hätte. Diese Abhängigkeit, dieses Ausgeliefertsein ist nämlich ein sehr unangenehmes Gefühl, das wünsche ich niemandem und doch gibt es so viele Kranke oder alte Menschen, denen das widerfährt.
Aber all diejenigen, die das Glück haben, die Seiten wechseln zu dürfen, sind entschieden im Vorteil. Im Nachteil fühlt ihr Hinterbliebenen euch, aber eigentlich ist das purer Egoismus. Ich verstehe sehr wohl, dass gerade diejenigen, die eine innige Verbindung zu ihren Vorausgegangenen haben, extrem trauern, glauben sie all ihre Liebe jetzt in Tränen verwandeln zu müssen, weil sie nicht wissen wohin mit ihrer Liebe (das läuft natürlich unterbewusst ab). Aber schickt sie uns doch einfach so wie früher auch. Ihr helft uns bei unserer Entwicklung, unseren Aufgaben, denn eure Liebe verwandelt sich bei uns in Energie und Energie braucht ihr genau wie wir. Viel von eurer Liebe kommt in anderer Form wieder zu euch zurück, in dem wir euch z.B. Zeichen schicken, euch unterstützen und beschützen und und und … Und ihr bemerkt das, ihr freut euch, ihr bringt das Geschehen liebevoll mit uns in Verbindung und wir bekommen wieder neue Energie. Ihr seht so entsteht ein nie endender Kreislauf, denn dieser Energie – und Liebesaustausch endet ja nie. Deshalb ist es mir so wichtig, dass du genau wie alle anderen trauernden Hinterbliebenen, verstehst, dass unser Heimgang nicht nur „vorbestimmt“ war, sondern dass er die beste Lösung für alle ist.

 

Das Leben auf der Erde ist schön und so lange du noch da bist, kann ich auch immer noch ein bisschen mit leben und mir das eine oder andere Scheibchen davon abschneiden. Ich erlebe, was du erlebst, ob gut oder schlecht, ich probiere mit dir Köstlichkeiten und mittlerweile haben wir auch schon manchmal unseren Spaß dabei, wenn du etwas probierst, was in meinen Augen abscheulich schmeckt. Ich freue mich, wenn du den einen oder anderen Wunsch von mir realisierst, wie z.B. das gemeinsame Pflanzen unserer Chilisamen, jetzt ganz aktuell. Ich bin begeistert, wenn du mich an der Balkontüre klopfen hörst oder spürst, dass ich den "ganzen Abend" in meiner Wohnung war, weil sich hier "kalte Nester" an meinen Lieblingsorten  gebildet haben. Das ist so schön, das kannst du dir gar nicht vorstellen, weil ich immer dabei sein kann, im Gegensatz zur letzten Zeit meines irdischen Daseins - und das ganz ohne Medikamente! Du glaubst gar nicht, was ich noch alles im Diesseits machen kann, wenn ich es will – du würdest echt Augen machen! 

Und ich weiß, dass das alles ganz unglaublich für die meisten Leserinnen und Leser klingt, aber ich kann nur sagen, wartet ab bis eure Zeit gekommen ist, ihr werdet genauso Augen machen wie ich es gemacht habe und wie es ständig ankommende Seelen tun. 
 

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