
Unsere Luftballonaktion
am Muttertag 2026

Wie immer wenn emotionale Tage anstehen, muss ich mir ein Programm ausdenken, mit dem ich Mama an dem Tag ablenken könnte, damit sie nicht noch tiefer in ihr Loch fällt, in dem sie ohnehin fast täglich einmal verschwindet. Und so habe ich es mir auch zum Muttertag 2026 überlegt.
Sehr gelegen kam mir dabei ihre eigene Idee für jeden von uns Kindern zum Dank für unsere stetige Kooperation einen Luftballon steigen zu lassen. Im Vorfeld haben wir die Idee dann noch verfeinert und uns darauf geeinigt, dass auf jeden Luftballon eine kleine persönliche Botschaft der jeweiligen Mama kommt. Welche Farbe sollten die Ballons haben? Mama war für weiß, was ich langweilig fand. Beim Durchstöbern der Internetseiten fiel mein Blick auf schöne, bunte Ballons. Das war’s. So einen wollte ich haben und Freddy, unser Küken, war auch gleich begeistert. Mama fragte uns Kinder, für welche Ballonfarbe wir uns entscheiden, überließ aber letztlich den Mamas das letzte Wort. Bis auf 2 von 13 Fällen stimmten die Meinungen von uns Kindern mit denen unserer Mamas überein.
Nachdem Mama die Ballons mit den Kurzbotschaften beschriftet hatte, konnten wir also am Muttertag mit dem Befüllen starten. Obwohl Mama schon öfter solche Ballons gefüllt hatte, stellte sie sich heute wie der erste Mensch an. Ich musste sie sanft anleiten, damit sie es hinbrachte. Und so wurde Ballon für Ballon gefüllt, mit Schnur versehen und fotografiert.
Der Ballon von Max hat sich beim Fotografieren mehrfach hinter der Türe versteckt und als Mama ihn fragte, ob er sie auf den Arm nehmen wolle, kam nur mit einem verschmitzten Grinsen „Ich doch nicht!“ Ich kenne mittlerweile Max und sein Verhältnis zu Mama, er neckt sie immer wieder gerne.
Und dann hat sie den Ballon von Heikes Martin gefüllt und, schwupps, ist er ihr entwischt und hat sich zwischen Decke und Türe so verklemmt, dass Mama auch mit der Leiter nicht ran kam. Da wurde Mama ganz schön nervös, wollte sie den Ballon bei der Aktion doch nicht kaputt machen. Vorsichtig ging sie mit einem Stöckchen vor und konnte ihn so wenigstens aus seinem Versteck locken und schließlich schnappen, so dass auch er eine Schnur bekam. Als Mama dieses Geschehen Heike erzählte, meinte sie, eigentlich hätte sie der Aktion nicht zustimmen dürfen, denn ihr Martin hatte eigentlich immer etwas gegen solche Ballonaktionen, lag ihm doch das Wohl der Meeresbewohner sehr am Herzen. Aber sie persönlich fand die Aktion toll und wollte nicht den Spielverderber machen. Tja gegen Martins Willen! Das musste er meiner Mama schon zeigen, dass er damit eigentlich nicht einverstanden war, aber letztlich seiner Mama zuliebe zugestimmt hatte. Als ich ihn nach seiner Meinung fragte, meinte er, dass er solche Aktionen doof finde und nicht verstehe, dass Mama nicht weiter gedacht habe. „Umweltverbesserer seid ihr beide nicht (dabei spielte er auf meine Feuerwerksleidenschaft an), aber ansonsten schon okay.“ Für seine Mama war das eine Lehre, dass sie nichts mehr gegen den Willen ihres Sohnes entscheiden werde, denn er, genau wie wir alle, bekommt alles mit und durch Zeichen versuchen wir unsere Meinung kund zu tun, wenn wir der Meinung sind, überfahren worden zu sein. Und für seine Mama war es wieder einmal ein toller Beweis, dass er bei der Ballonaktion auch tatsächlich dabei war, so wie wir alle. Denn wir hatten alle großen Spaß dabei, vor allem als es dann auch noch um unser „Ballongruppenbild“ ging. Mama hat uns schön hindrapiert, damit man auch möglichst die Aufschriften lesen kann und bis sie ihren Platz zum Fotografieren eingenommen hatte, haben wir unsere Ballons wieder weggedreht und die leere Seite der Luftballons war zu sehen und das mehrmals (die ewige Fotografiererei!), bis sie schließlich mit uns ins Freie ging, wo unsere Ballons steigen sollten.
Papa musste mithelfen und die wilde Truppe der Luftballons gegen den Wind verteidigen. Mama nahm mehrere Anläufe, um die Ballons steigen zu lassen, aber der Wind hatte ganz andere Pläne. Schließlich ging Papa ans äußerste Ende der Terrasse, beugte sich übers Dach vor, damit sie sich nicht in den benachbarten Bäumen verfingen und ließ die Ballons schließlich los. „Zirkusreif“ kommentierte die Mama von Dominik E. das Geschehen. Das war ein Moment, der viele sehr bewegte, als sie sahen wie sich die Ballons auf die Reise machten und sich dem Einflussbereich von Mama entfernten – nicht mehr greifbar! Schnell stiegen sie in den Himmel und verschwanden hinter den Wolken, auseinander getrifftet und doch irgendwie als Einheit. Mama ging der Anblick schon unter die Haut, aber ich erklärte ihr, dass sie den Fehler mache, dass sie jeden einzelnen Ballon mit jedem von uns identifiziere. Aber das sind Botschafter für uns und, liebe Mamas, ihr habt nicht „uns“ losgelassen, sondern Ballons, die uns eine Botschaft bringen sollen. Nie wollten wir, dass ihr uns loslasst, denn durch die enge Bindung an euch entwickeln wir uns viel besser wie die Seelen, die keine Anbindung an ihre Familie haben. Wir sind so stolz darauf wie wir noch immer aus dem Diesseits Unterstützung in Form von Liebe, liebevollen Gedanken und Taten erhalten, denn das ist nicht selbstverständlich und, irdisch gesprochen, dafür werden wir oft beneidet. Wir wollen die dicke Schnur der unendlichen Liebe, die uns mit unseren Mamas verbindet, nicht trennen und „beziehungslos“ in der geistigen Welt „herumschwirren“ ohne Anlaufstelle im Diesseits, All eure Anstrengungen verwandeln sich in Energie, die wir auch für euch wieder einsetzen – ein Geben und Nehmen. Und lasst euch bloß nicht einreden, ihr behindert uns in unserer Entwicklung, wenn ihr uns nicht loslasst (vielleicht muss ich mal in einem Extraartikel definieren, was eigentlich „loslassen“ in diesem Kontext überhaupt bedeutet). Das ganze Gegenteil ist der Fall. Denn nur wo Liebe war, kann auch Liebe bleiben, die Basis allen Seins, und zwar für immer und ewig. Unsere Familie gibt uns täglich neue, zusätzliche Energie, die andere nicht haben, die „losgelassen“ wurden. Ich bin so dankbar dafür, dass sich meine Mama den Vorschlägen von „Fachleuten“ widersetzt und mich eben nicht loslässt wie einen Luftballon. Schon der bloße Gedanke, sein Kind loszulassen, ruft auch bei mir ein Schauern hervor – aber da brauche ich bei Mama keine Bedenken zu haben.
Und so ging im Diesseits wie im Jenseits ein abwechslungsreicher Tag zu Ende, Mama tauschte sich noch lebhaft mit anderen Mamas aus und am Abend meinte sie zu mir „Danke mein Tini, das war eigentlich ein „schöner“ Muttertag!“ Wie hat mich dieses Lob gefreut, hat sie doch das Geschehen genau so positiv empfunden wie wir, und wir hatten wirklich unheimlich viel Spaß an diesem „Tag“.


