Pfingsten und ein
Erlebnis meiner Omi

Pfingsten, eigentlich ein religiöses Fest, das aber für die wenigsten noch etwas mit der Bibel, der Kirche oder dem Glauben zu tun hat. Wahrscheinlich ist es den meisten auch egal, wem sie den zusätzlichen freien Tag zu verdanken haben – Hauptsache ein zusätzlicher freier Tag im Mai oder Juni, der gerne für Ausflüge, Familientreffen, Entspannung und dergleichen verwendet wird. Viele fahren über Pfingsten in den Urlaub, in andere Länder, wo sie die Sprache nicht oder nur sehr fragmentarisch beherrschen, und sich so mit Händen und Füßen redend durchschlagen. Man hat halt einfach Schwierigkeiten sich zu verständigen, vom Gegenüber verstanden zu werden. Aber nicht nur in fremden Ländern kämpft man mit dem Problem. Auch im eigenen Land, in der eigenen Umgebung, manchmal sogar in der eigenen Familie, fühlt man sich nicht verstanden. Dabei wäre es doch so einfach: eine Sprache, die alle Kulturen und Nationalitäten kennen, die im Diesseits wie im Jenseits „gesprochen“ wird, ist die Sprache der Liebe. Aber an sie erinnern sich viele in dieser hektischen, vom eigenen Ego dominierten Welt, nicht mehr. Dabei könnte, würde sich diese Sprache wieder mehr verbreiten, so vieles einfacher, harmonischer und friedlicher sein. Kriege zwischen Menschen aber auch Staaten ließen sich vermeiden mit mehr Emotionalität jedes einzelnen, getragen von der Liebe zum Nächsten. Denn mal ehrlich: wer kennt im Kriege schon sein Gegenüber, das er gerade erschießt? Das ist einfach nur roh, brutal, unreflektiert und einem System gefolgt, das selber nur seinen Kopf und seine Macht retten will, koste es, was es wolle. Ein Menschenleben zählt hier nicht, dabei ist ein Menschenleben das Wertvollste, was wir haben. Ist das im Sinne des großen Ganzen, zu dem wir alle gehören? Haben solche sinnlosen Handlungen irgendeine Bedeutung für das Universum? Aus meiner Sicht: nein. Sie bringen nur Leid, Elend und Not unter die Menschen, die das gar nicht wollen, sondern die mitmachen müssen, um nicht gleich zum Opfer von Mächtigen zu werden.
Warum vergessen so viele Menschen, dass man seinem Gegenüber doch mit Respekt und Liebe begegnen kann? Dass man sich in sein Gegenüber einfühlen kann, wie es ihm gerade geht? Und ja, es ist ein Lernprozess zu erkennen, dass Liebe Berge versetzen kann. Und einer muss den Anfang machen, muss den Teufelskreis der Ignoranz durchbrechen und der verliert dabei nicht sein Ansehen, das ist keine Schwäche, nein, das ist Größe!!!! Ein freundliches Wort, ein Lächeln, all das kann dem Gegenüber den Tag „versüßen“. Aber nein, die meisten Menschen schauen nur grimmig vor sich hin und fühlen sich von freundlicheren Geschöpfen oft sogar noch gestört, weil sie denken, hier gibt es nichts zu lachen. Wie traurig und doch wohl ein Lernprozess, den man als Mensch durchlaufen muss. Im Jenseits angekommen, ist alles viel heller, freundlicher, die Seelen zueinander viel hilfsbereiter und man „schüttelt manchmal den Kopf“ wie man sich nur eine Inkarnation auf der Erde hat aussuchen können. Aber klar, wäre es im Diesseits auch so harmonisch, könnte man es im Jenseits nicht schätzen, man würde denken, das ist normal, was es eigentlich auch sein sollte.
Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an eine Geschichte, die mir meine Omi einst erzählt hat, die ich anfangs gar nicht begreifen konnte, die mich aber dennoch sehr beeindruckt hat und mich auch ein Stück weit geprägt hat:
„Meine Omi fuhr viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln, um zu uns zu kommen. Und so stieg eines Tages ein jüngerer Herr in die S-Bahn ein und begann innerhalb kürzester Zeit herumzuschreien, zu randalieren, andere Fahrgäste zu provozieren und zu stoßen. Da stand meine damals vielleicht 80 oder 85 jährige Omi beherzt auf, legte dem Mann die Hand auf die Schulter, redete liebevoll auf ihn ein und geleitete ihn sanft zu einem Sitzplatz neben dem ihren, wo sie sich liebevoll um ihn bemühte. (Welcher Gefahr sie sich dabei ausgesetzt hatte, war ihr nicht bewusst oder egal, ich weiß es nicht. Ich hätte mir das auf jeden Fall damals nicht getraut.) Der Mann beruhigte sich ganz langsam, begann, den Kopf an ihre Schulter gelegt, zu weinen und erzählte ihr unter Schluchzen, was ihn bedrückte. Als kurze Zeit später die Polizei kam, war alles ruhig und meine Omi schickte die Beamten weg mit der Begründung, dass das alles nur ein Missverständnis war und ja niemand zu Schaden gekommen sei. Sie kam an diesem Tag viel zu spät zu uns und Mama hatte fürchterliche Angst, dass ihr etwas passiert sei. Aber nein, Omi saß mit dem Mann noch einige Zeit auf einer Bank bei uns auf dem Bahnhof und hörte sich seine Geschichte an, denn zum ersten Mal seit langer Zeit hatte er jemanden getroffen, der ihn Ernst nahm und ihn verstand. Als er erfuhr, dass Omi bei uns schon lange „überfällig“ war, hat er sofort zum Handy gegriffen und uns verständigt. Uns fiel ein Stein vom Herzen. Die beiden standen noch einige Jahre in Kontakt, bis meine Omi aus gesundheitlichen Gründen den Kontakt nicht mehr pflegen konnte.“
So geht es auch und ich würde mir wünschen, dass es von dieser Art Mensch, wie es meine Omi ist, mehr gäbe, die unterwegs sind um Liebe unter die Menschen zu bringen, auch wenn es nur einige wenige Lichtpunkte sind, aber aufsummiert werden es dann doch viele.
Und so wünsche ich mir, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen wieder viel mehr von Liebe statt von Missgunst und dem eigenen Ego getragen werden, um das Leben für viele Menschen auf der Erde erträglicher zu machen.
Ich gebe immer wieder zu bedenken: das einzige, was von jedem von uns übrig bleibt, in Erinnerung bleibt, ist die Liebe, die ihn an seine Nächsten bindet, die Liebe, die so manch einem den Tag, vielleicht sogar das Leben, gerettet hat. Und diese Sprache kann jeder sprechen, wenn er nur sein eigenes Ich etwas zurückstellt und sich auf den Sinn des irdischen Lebens besinnt …... Man lernt nicht nur aus der Dualität, man lernt auch aus dem glücklichen Miteinander, das man zu seinen Nächsten pflegt.

