Ein gemeinsamer Einkaufstag - fast wie früher
Teil 1: Im Pflanzengeschäft

Wie gerne bin ich in jungen Jahren mit Mama zum Einkaufen gefahren, egal, ob ins Pflanzengeschäft, in den Supermarkt, zum Baumarkt oder auch nur zum Bauernstand auf den Fildern, ich fand überall etwas Interessantes, etwas, was ich brauchen konnte. Und solange Mama es sich leisten konnte, habe ich auch kaufen dürfen, was mir in die Hände gekommen ist, denn für mich war einfach alles brauchbar. Wie oft meinte Mama, das brauchst du nie – kaum zu Hause angekommen, hatte ich auch schon eine Verwendung dafür, mein Kopf arbeitete stets auf Hochtouren. Das hat leider meine Krankheit total ausgebremst.
Aber heute, dank unserer Kommunikation, beginne ich wieder mit Mama einkaufen zu gehen und bitte sie, das eine oder andere zu kaufen, das ich dann mit ihr zusammen probieren kann oder was ich sie bitte für mich in die Praxis umzusetzen.
Und so einen Tag haben wir heute wieder erlebt. Es ist nicht der erste dieser Art und bestimmt auch nicht der letzte. Und weil Mama weiß, dass ich gerne mit einkaufen gehe, erzählt sie mir immer schon im Vorfeld, wohin sie heute vor hat, zu fahren. Das ist dann für uns beide eine große Freude, denn ich fühle mich so richtig wohl in meiner Familie und Mama ist durch mich so abgelenkt, dass sie auch nicht auf trübe Gedanken kommt.
Als erstes ging es heute ins Pflanzengeschäft, weil Papa Vogelfutter benötigte. Da übermittelte ich Mama, sie solle nach einer Tomatenpflanze mit schwarzen Tomaten Ausschau halten. Ungläubig schaute sie sich um und Papa hatte keinen Pfifferling darauf gegeben, dass Mama so etwas finden würde. Aber Mama ließ sich von seinen Bedenken nicht abbringen, sondern vertraute meiner Eingebung, so wie sie inzwischen meinen Ratschlägen und Impulsen voll vertraut. Und was habe ich gesagt? Plötzlich stand Mama ganz verwundert vor einem Regal mit schwarzen Cocktailtomatenpflänzchen. Sie konnte ihr Glück nicht fassen, dass sie mir diesen Wunsch erfüllen konnte. Und sofort hat sie ein Pflänzchen eingeladen. Sie schlenderte weiter durch die Gänge, da fand sie ein Pflänzchen, das schwarze Paprikaschoten irgendwann einmal tragen sollte – das wollte ich natürlich auch haben. Und da mir Mama ja keinen Wunsch ausschlagen kann, hat sie es in den Einkaufswagen geladen. Oh und dort, schöne Pflänzchen, die bereits größere Paprikafrüchte trugen. Die nehmen wir doch auch mit? - Ja klar, aber welche Pflanze soll ich nehmen?
Meine Eltern konnten sich nicht einigen und so meinte Papa sie solle eben mich entscheiden lassen. Aber gern doch, warum nicht gleich? Nachdem mir Mama einige Pflanzen gezeigt hatte, habe ich mich schließlich für eine entschieden, das war gar nicht so leicht, bin ich doch auch heute noch sehr wählerisch. Ich gab ihr noch den Impuls für drei weitere Pflänzchen der verschiedensten Art und schließlich verließen wir die Abteilung. Ach wie schade, ich hätte hier noch lange bleiben können, aber all die Pflanzen müssen zu Hause ja auch eingepflanzt und versorgt werden und Mama hat doch in meinem Auftrag bereits mehrere Chili-, Zucchini- und Melonenpflanzen zu versorgen, die sie in meinem Auftrag aus Samen gezüchtet hatte und die dank ihrer täglichen Pflege bereits eine beträchtliche Größe erreicht haben. Und wenn ich ihr zu viel aufschwätze, versorgt sie sie womöglich nicht mehr mit der nötigen Sorgfalt und das will ich ja auch nicht.
Also verließen wir die Abteilung und eigentlich wollten meine Eltern Richtung Kasse gehen – aber nein, da gab ich Mama den Impuls doch bitte noch in der Zooabteilung vorbei zu schauen. Denn dort hatte ich bei meinem letzten Besuch im Pflanzengeschäft, der bestimmt ein oder zwei Jahre vor meinem Heimgang lag, eine wunderschöne Ratte gesehen. Sie hatte mich damals mit ihren Kulleraugen so lieb angeschaut, da bin ich ganz wehmütig geworden und ich hätte sie am liebsten mitgenommen, aber Mama war dagegen, weil ich mich ja nicht täglich um sie hätte kümmern können und Mama die Arbeit über den Kopf wuchs und so wurde leider nichts daraus. Aber heute wollte ich doch zumindest bei den Ratten vorbeischauen. Mir war klar, dass diese Ratte nicht mehr da war, aber vielleicht eine andere, die genau so süß ist mit denselben schönen Augen. Ob ich Mama diesmal von einem Kauf überzeugen konnte? Also gingen meine Eltern in die Zooabteilung, in der niedliche Häschen, Kaninchen, Goldhamster und Meerschweinchen herumtollten, aber leider keine Ratten, da war ich schon enttäuscht, habe ich mich schon darauf eingestellt, in Zukunft bei meinem Besuch in meinem Elternhaus eine niedliche Ratte begrüßen zu dürfen – schade. Vielleicht das nächste Mal.
Jetzt ging es aber an die Kasse und dann erst einmal nach Hause, denn der Kofferraum war voll mit zarten Pflänzchen, denen die Hitze des Autos bestimmt nicht gut getan hätte, wenn sie hätten warten müssen, bis meine Eltern im Supermarkt fertig gewesen wären. Und so verschiebt sich auch mein Besuch im Supermarkt auf einen neuen Artikel.
Wir haben diesen Einkauf im Pflanzengeschäft beide genossen und hatten den Eindruck wieder ein Stück Normalität zurück geholt zu haben. Auf Grund unserer telepathischen Fähigkeiten verlief der Gedankenaustausch schon recht gut und wir konnten uns gegenseitig unsere Wünsche, Vorstellungen aber auch Bedenken übermitteln. Wie herrlich! Natürlich kann ich heute Mama nicht mehr beim Schieben des Wagens oder beim Beladen des Kofferraums helfen, das ist schon ein entscheidender Unterschied zu früher, aber allein das Gefühl bei ihr auszulösen, dass ich da bin, dass sie hier nicht ohne Begleitung im Laden ist, erfüllt mich mit Freude, die auch bei ihr ankommt. Und ja, sie sieht auch meine leuchtenden Augen nicht mehr, wenn ich wieder etwas total Schönes oder Brauchbares entdeckt habe, das fehlt ihr ungemein, aber sie ist sensibler geworden. Sie spürt heute meine Freude, die ich mit etwas verbinde viel stärker wie füher - ein kleiner Trost, wenn auch nur ein schwacher, wie Mama meint. Und trotz aller Widrigkeiten, wie Mama es bezeichnet, so ist es doch einfach auf beiden Seiten ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, gespeist von unserer innigen Liebe und Verbundenheit, die uns durch unser ganzes gemeinsames Leben getragen haben. Wie haben wir so kleine gemeinsame Unternehmungen zu meinen Lebzeiten genossen, einfach nur zusammen etwas zu unternehmen, es musste nichts Großes sein, aber wir haben uns einfach dabei wohlgefühlt. Und so ist es auch heute wieder. Solche kleinen „Ausflüge“ stärken uns beide, geben uns beiden Energie, um den nächsten „Zeitabschnitt“ meistern zu können.

