Ein gemeinsamer Einkaufstag - fast wie früher
Teil 2: Im Supermarkt

Ich knüpfe hier an, an meinen Bericht über das Pflanzengeschäft, nachdem wir wegen der großen Hitze unsere Einkaufstour nicht direkt fortsetzen konnten, sondern zu erst die erworbenen Pflänzchen in mein Elternhaus bringen mussten.
Nachdem unsere Pflänzchen im Schatten standen und gegossen worden sind, ging es bei großer Hitze weiter in den Supermarkt – wie war die Kühle dort für die Menschen angenehm. Mir war es egal, denn jetzt litt ich nicht mehr unter hohen Temperaturen wie zu meinen Lebzeiten. Mama fragte mich, ob ich nach etwas Bestimmtem Ausschau hielt, aber im Moment hatte ich keine Wünsche.Die kamen dann erst, als ich das eine oder andere sah. Und es hat nicht lange gedauert, da stieß Mama auf ganz spezielle Brötchen wie sie sie noch nie gesehen hatte: „Martin’s Potato Rolls“. Die musste sie haben, hat sie doch noch nie ein Brötchen mit meinem Namen gesehen. Fassungslos stand sie da und da lief ein junger Mann vorbei und meinte, das seien die besten Brötchen für Burger, die er je gegessen habe. Da gab es kein Halten mehr und sie wanderten in den Einkaufswagen. An der Wursttheke lenkte ich ihren Blick auf Käsewürstchen, die ich früher immer so gerne gegessen hatte und sogleich spürte sie, dass das mein Wunsch ist. Dann ging es in die Dosenabteilung, die ich zunächst langweilig fand. Mama fragte mich abermals, ob ich einen speziellen Wunsch habe, und ich meinte, ach, ich finde immer etwas und tatsächlich, plötzlich entdeckte ich zwei Dosen mit dem Bild von Bud Spencer drauf, die ich unbedingt aus Nostalgiegründen haben wollte. Ich wusste zunächst gar nicht, was in den Dosen war und Mama war skeptisch. Aber es stellte sich heraus, dass es sich um Bohnen handelte in verschiedenen Zubereitungsarten. Okay meinte sie, die können wir kaufen. Aber eigentlich sind sie doch viel zu schade zum Öffnen, ist das Bild doch echt gelungen. Aber Papa versicherte, dass er die Dosen schon vorsichtig öffnen könne, damit das Bild erhalten bliebe und es unsere Küche zieren könne.
Und dann kam die Süßigkeitenabteilung, in der Mama heute eigentlich gar nichts kaufen wollte, aber sie hat nicht mir mir gerechnet. Schon von weitem sah ich einen Stand mit Dubai-Schokolade, die ich so gerne mal probiert hätte, aber Mama war sie einfach zu teuer – ihren Preis nicht wert. Nachdem ich aber gebettelt habe, hat sie sich erweichen lassen und ich durfte eine Tafel aussuchen. Wie war ich doch gespannt wie die wohl schmecken würde, wenn Mama sie mit mir zusammen probiert.
Während Papa die lebensnotwendigen Dinge in den Einkaufswagen legte, schlenderte ich mit Mama durch die Gänge und hielt Ausschau nach Lebensmitteln, die mich interessierten. Da fiel mein Blick auf Kalbsschnitzel – hm, ja, das würde ich auch mal wieder gerne kosten und Mama lud sie ein. Aber bitte Mama, mit richtigen Pommes, die aus der Kühltheke, nicht die frittierten „gesunden“ Kartoffelschnitze wie ihr sie immer macht. Papa legte sein Veto ein als Mama in die Tiefkühltruhe griff, doch als sie ihm erklärte, dass es mein Wunsch sei, hat er sich breit schlagen lassen. Da freue ich mich schon darauf, wenn meine Eltern die kochen werden.
Jetzt habe ich doch tatsächlich noch etwas Gesundes wie Papa es nannte, gefunden: Tiefkühlmais, den gab es seit meinem Heimgang bei meinen Eltern nicht mehr, warum wissen sie eigentlich auch nicht und so wanderte meinem Wunsch entsprechend auch eine Packung davon in den Einkaufswagen.
Jetzt waren wir fast an der Kasse – eigentlich schade, denn mir machte das Einkaufen gerade so richtig viel Spaß. Glücklicherweise kam da zum Schluss noch die Getränkeabteilung. Mama wollte da zügig durchgehen, doch ich bremste sie und bat sie die Regale doch ein bisschen genauer mit mir durchzugehen. Und so erstanden wir auf meinen Wunsch hin noch einen Holundersirup, eine Tannennadellimonade, die mich sofort an meine Zeit erinnerte als ich für meinen Opi Tannennadelschnaps hergestellt habe, und schließlich eine Maibowle in der Flasche. Die ist zwar, wie sich später herausstellte, sehr „süffig“, hat aber mit unserer Maibowle, die wir früher immer gemacht haben, nicht viel gemeinsam – aber den Spaß war es wert und getrunken wurde sie trotzdem. Denn bei Mama wird nichts weggeworfen, das war auch früher schon so. Wenn ich etwas kaufe, muss es auch gegessen oder getrunken werden, wie z.B. die Tannennadellimonade. Ich finde sie lecker, aber Mama hat sich geschüttelt. Glücklicherweise ist Papa da nicht so empfindlich und hat den Rest getrunken.
Und so näherte sich der Besuch im Supermarkt seinem Ende. Auch jetzt hieß es, zuerst die Lebensmittel nach Hause bringen, bevor es in den Baumarkt weiterging. Warum meine Eltern nicht zuerst in den Baumarkt gegangen sind und dann in den Supermarkt verstehe ich nicht, vielleicht, weil der Baumarkt für sie nicht so wichtig war, für mich schon, denn da bin ich zu meinen Lebzeiten unendlich gerne hingegangen.
Und so ging auch dieser Teil unserer schönen Einkaufstour zu Ende und Mama war nicht so traurig wie sonst, wenn sie etwas gesehen hat, das sie mit mir in Verbindung gebracht hat, weil sie es mir zum Beispiel vom Einkaufen mitgebracht hat. Mir hat es so großen Spaß gemacht, dabei gewesen zu sein und meine Wünsche ausgiebig äußern zu können.
Ich kann das allen, die das lesen nur empfehlen, auch so mit ihren Lieben einkaufen zu gehen. Das ist ein Erlebnis und ein Zugewinn an Nähe, was sich nur schwer beschreiben lässt, aber was wir in Zukunft immer so machen werden, vorausgesetzt, Mama hat die nötige Zeit dafür – ich habe sie ja immer, was für ein Glück.
Auch hier sieht man wieder: was Liebe verbindet, können unterschiedliche Bewusstseinsebenen nicht trennen. Vielen Dank liebe Mama!

