Frei und doch verbunden

Tini, mein Kind, ich will dich doch nicht loslassen.
Mama, bitte gib mich frei, aber lass mich nicht los.
Was meine ich mit diesen Worten bloß?
Du weißt wie beschwerlich mein irdisches Leben gegen Ende war,
Das wünschst du doch niemand, das ist doch ganz klar.
Meine Abhängigkeit von dir wurde von Tag zu Tag stärker,
Meine Angst um dich proportional dazu immer ärger.
Was hätte aus mir werden sollen, wärst du vor mir gegangen,
Da hätte mich niemand können auffangen.
Niemand hatte dein Wissen um mich,
Niemand hätte sich so können kümmern um mich.
Aber nicht nur das Wissen fehlte, nein, das war bei weitem nicht alles,
Deine bedingungslose Liebe zu mir war das Wichtigste, die fehlte im Falle eines Falles.
Wusste ich doch nicht, dass es nach dem Ableben weitergeht,
Dachte ich doch mir, oh weh, das Herz, das steht,
Jetzt geht nichts mehr, jetzt ist alles vorbei,
Das war ein großer Irrtum, das nur so nebenbei.
Ich durfte vor dir gehen, was für eine Erleichterung für mich.
Was für ein Leid, was für eine Katastrophe für dich.
Ich konnte all mein Leiden, meine Ängste hinter mir lassen,
Und erfuhr ganz schnell, dass wir uns bald wieder können an den Händen fassen.
Du hier – ich dort,
Und doch treffen wir uns täglich an einem gemeinsamen Ort.
Das ist so schön, das tut uns gut,
Das gibt uns täglich neuen Mut.
Und trotzdem fragst du dich so oft „Warum?“,
Mensch Mama, du bist doch nicht dumm.
Du weißt, eine höhere Macht hat entschieden,
Wir müssen uns fügen, auch wenn du nicht bist zufrieden.
Mir geht es jetzt blendend, die schlimme Zeit ist für mich vorbei,
Nimm es zur Kenntnis, akzeptiere es und gib mich frei.
Mit „freigeben“ meine ich, hadere nicht mehr mit dem Schicksal,
Das kommt auch mir entgegen, zumindest manchmal.
Denn wenn du so richtig traurig bist,
Überträgt sich in unserem Fall die Schwere auch auf mich, so ein Mist.
Ich fühle mit dir, sind wir zwei und doch eins,
Da überträgt sich bei uns alles, so als wäre es meins.
Auch du spürst, wenn ich mich unbändig freue,
Bist dann auch glücklich, weil du weißt, dass ich nichts bereue.
Und wenn du mich frei gibst, akzeptierst du, dass ich musste gehen voraus,
Unsere innige Verbindung bleibt davon unberührt, so, wie wenn ich wäre immer noch bei dir zu Haus.
Ich bin kein Luftballon, der sucht das Weite,
Der losgelassen werden will, damit er kann steigen in die Höhe und nicht zur Seite.
Mich wirst du nicht los, ich bin und bleibe bei dir,
So wie auch du ständig an mich denkst und schaust nach mir.
Dass irgendetwas uns trennen könnte, ist völlig daneben,
Da kann ich dir mein Ehrenwort drauf geben,
Denn das ist so nicht vorgesehen, das soll so nicht sein,
Wir werden immer zusammen sein, du wirst dich nie fühlen allein.
Wir werden uns täglich treffen an unserem geliebten Ort,
Und werden uns alles liebevoll übermitteln, Wort für Wort,
Bis du irgendwann wirst kommen zu mir,
Und ich dich voller Liebe in den Arm nehme und zuflüstere dir:
„Wie schön, dass ich frei sein durfte und doch mit dir verbunden,
Dass unsere Liebe alles getragen hat und nie ist verschwunden.“
Martin Mäckle, geistige Welt, ohne KI
