Hier und doch weg

Tini, mein Kind, warum überfällt mich oft die Trauer.
Obwohl ich doch weiß du bist da, wenn auch nicht mehr von Dauer?
Liebe Mama, unterscheide zwischen Herz und Kopf,
Der Verstand weiß es, das Herz ist schwer und hängt am Tropf.
Du weißt ganz genau, so schwer es auch fällt,
Eine Rückkehr ist unmöglich, auch nicht für Geld.
Nicht mal der Reichste kann dieses Unheil machen ungeschehen,
Das ist ein Weg, den muss einfach jeder gehen.
Dabei ist der, der geht, entschieden im Vorteil,
Der Zurückgebliebene im menschlichen Körper klar im Nachteil.
Denn der menschliche Körper hält so viel Elend für uns bereit,
Eigentlich unvorstellbar, in der kurzen Zeit,
Die jeder von uns in diesem Zug verbringt,
Und mit ein bisschen Glückseligkeit ringt.
Wie kann man den Heimgang eines geliebten Menschen überstehen,
Ohne selbst in die Knie zu gehen?
Das ist ganz schön schwierig und erfordert viel Kraft,
Ich weiß nicht, ob ich es hätte geschafft.
Wir treffen uns täglich zum gewohnten Austausch,
Für mich eine Leichtigkeit, dich versetzt es fast in einen Rausch,
Denn nur so kann die Übermittlung unserer Gedanken gelingen,
Für dich nicht so einfach wie vielleicht ein Liedchen singen.
Die Vögel pfeifen meine Gedanken nicht vom Dach,
Du musst hart an dir arbeiten, zumal das nicht ist dein Fach.
Dein logisches Denken darf endlich ruhen,
Du musst mit dem Herz hören, in aller Stille, nicht bei Unruhen.
Das klappt schon recht gut bei uns, und da bin ich froh,
Kann es nur jedem raten es auszuprobieren ebenso.
Ich weiß, das ist nur ein schwacher Trost,
Aber besser als nichts, besser als Frost.
Zumindest erfährt man wie es der geliebten Seele geht,
Die Verbindung ist nicht abgeschnitten, der Wind hat sie nicht verweht.
Du spürst den Windhauch, die Gedanken von mir,
Sie kommen zu dir, sie sind ein Teil von mir.
Du müsstest eigentlich gar nicht traurig sein,
Du weißt ich bin dein und du bist mein.
Und dennoch bist du traurig, weil ich nicht bin in meinem menschlichen Körper bei dir,
Weil du nicht mehr lachen und Späße machen kannst mit mir.
Da sieht man mal wieder, dass der menschliche Körper doch nützlich war,
Diente er unter anderem der nonverbalen Kommunikation und das ganz klar.
Das geht jetzt leider überhaupt nicht mehr,
Ich habe verstanden, warum deine Gefühle sind so leer.
Zu Lebzeiten war mir diese Wichtigkeit gar nicht so bewusst,
Sie war selbstverständlich, ich habe nie darüber nachdenken gemusst.
Mit der Mimik zu spielen, hast du mir beigebracht,
Jetzt wird dir diese Eigenschaft zum Verhängnis, hättest du es lieber nicht gemacht,
Denn dann würde sie dir heute weniger fehlen,
Wusstest du ja nicht, dass du es einmal zu tun haben wirst mit lieben Seelen,
Die viele Fähigkeiten haben, aber diese nicht,
Und die hat für dich schon ein schweres Gewicht.
Doch das ist nicht alles, was einen Menschen ausmacht,
Der Mensch ist so vielschichtig, sobald er aufwacht.
Er hat so viele Fähigkeiten, die die Seele nicht bedienen kann,
Auch wenn er weniger als ein Staubkorn im Universum ist, zieht einen das eine oder andere in den Bann.
Und all das fällt weg, für dich ein herber Verlust,
Für mich als Seele nur Beiwerk, hab dazu auch oft gar keine Lust.
Dabei war ich ein Mensch mit Leib und Seele,
Hab das menschliche Leben in guten Zeiten genossen aus voller Kehle.
Doch heute habe ich an so manchen irdischen Dingen das Interesse verloren,
Ganz klar, ich bin ja eigentlich durch meinen Heimgang neu geboren.
Diese Verwandlung ist für dich schwer zu verstehen,
Darfst du doch den irdischen Weg noch gehen,
Wo dir meine irdischen Qualitäten fehlen,
Sie existieren nur noch in deiner Vorstellung, das will ich nicht verhehlen.
Das ist schon eine große Umstellung, ein neues Leben,
Eine Mischung aus Erinnerung und telepathischen Wegen.
Das will gelernt werden, dessen bin ich mir bewusst,
Wir arbeiten daran und zwar mit großer Lust,
Damit dir der Spagat zwischen hier und dort nicht fällt so schwer,
Damit du irgendwann bist nicht mehr leer,
Wenn du denkst sehnsüchtig und voller Liebe an mich,
Sondern damit du wieder lächeln kannst beim Gedanken an mich.
Ich lächle dich an, heute genau wie einst,
Du kannst es zwar spüren aber leider nicht sehen, oder was meinst?
Dein Herz muss sich noch viel mehr öffnen für all die Botschaften von mir,
Damit du sie verstehst und sie nicht bleiben stehen vor der Tür.
Das ist doch schade, das willst du sicher nicht,
Hast du dich doch schon so weit entwickelt, du bist doch kein kleiner Wicht.
Unsere Liebe trägt uns, wir geben nicht auf,
Ist uns unsere Verbindung viel zu wichtig, wir schauen hinauf,
Wo das helle Licht strahlt und uns Zuversicht gibt,
Und unsere Liebe nährt, wo das Vertrauen nie kippt.
Und so gehen wir gemeinsam unseren neuen Weg,
Und freuen uns auf den Moment, wo ich in der gleichen Dimension liebevoll meinen Arm um dich leg.
Martin Mäckle, geistige Welt, ohne KI
